Ab dem Sommersemester werde ich offiziell Studentin der Geschlechterforschung sein. Ich bin über Umwege dorthin gekommen, dorthin, wo ich mich von der ersten Minute wohl fühlte, Lust hatte, mich in Lesestoff zu stürzen, Debatten zu führen, Referate zu führen. Eigentlich studiere ich seit vergangenem Herbst Politikwissenschaft und Philosophie in Göttingen, uneigentlich habe ich das aber nur ein paar Wochen durchgehalten, bis mir klar war: Das ist es nicht. Ausschlaggebend für erste Gedanken, dass die Geschlechterforschung vielleicht das Richtige sein könnte, war meine Teilnahme an einem Seminar zum Thema Frauenbewegung. Ich war beeindruckt von den beiden Dozentinnen, von dem bunten Haufen Menschen, der es sich jeden Mittwoch aufs Neue im Seminarraum gemütlich machte, von der facettenreichen Themenauswahl, von den Referaten, die Gehalten wurden, von zwei, drei anderen Studierenden, die besonders hartnäckig diskutierten. Und: Ich las die Seminartexte gerne. Wir klärten, was man soziologisch überhaupt unter dem Begriff "Bewegung" versteht, lasen etwas über die Frauenbewegung an sich und begannen, uns beginnend bei Helene Lange und Clara Zetkin durch die Jahrzehnte zu arbeiten. Gerade sind wir bei Alice Schwarzer angelangt, enden wird das Seminar mit einer Sitzung zum Thema Slutwalks, Ladyfeste und Netzfeminismus - mein Referatsthema. Für ein anderes Seminar habe ich angefangen, Judith Butler zu lesen und zudem habe ich in einem Workshop verschiedene Gesichtspunkte des Themas Diversity in Theorie und Praxis erarbeitet. Merken, dass man im Alltag immer sensiblisierter für Benachteiligungen ist - sowohl für die großen, aber zunehmend auch für die kleinen. Vielleicht in den frauenpolitischen Themen endlich "mein" Ding gefunden. Lernen, lesen, diskutieren, Spaß haben, streiten, kämpfen, hoffen.
Auf diesem Blog möchte ich Bücher vorstellen, aktuelle Debatten aufgreifen, euch ein wenig von dem, was ich in der Uni vermittelt bekomme, mit auf den Weg geben. Ich möchte gerne Diskussionen anstoßen und mich vernetzen - mit anderen jungen Frauen und - ausdrücklich auch! - Männern, die Interesse daran haben, in einer gleichberechtigten, vielfältigen und zukunftsfähigen Gesellschaft zu leben. Feminismus ist vieles, aber nicht tot - daran glaube ich, deswegen rufe ich diesen Blog ins Leben.
Feministische Grüße,
Alexandra